Die Play-offs der BBL: Wer folgt auf Überraschungsmeister Ulm?

Die Play-offs der BBL: Wer folgt auf Überraschungsmeister Ulm? – NBA – Basketball – diesportexperten.de



Nachdem die Play-offs in der BBL im vergangenen Jahr mit der Ulmer Meisterschaft ein unerwartetes Ende nahmen, haben sich in dieser Saison bereits in der Hauptrunde einige Überraschungsteams direkt für die Endrunde qualifiziert. Setzt sich in diesem Jahr der Favorit die Krone auf?

Stoppen Albas Sterling Brown (li.) und Johannes Thiemann (#32) die Bayern um Isaac Bonga (#9) auf dem Weg zum Titel?


Stoppen Albas Sterling Brown (li.) und Johannes Thiemann (#32) die Bayern um Isaac Bonga (#9) auf dem Weg zum Titel?

IMAGO/Eibner


Erst Alba Berlin, dann der FC Bayern Basketball und schließlich Hauptrundenmeister und Champions-League-Sieger Bonn: In der vergangenen Saison kegelten die von Position 7 in die Play-offs gestarteten Ulmer zuerst die beiden Euroleague-Teams raus, gewannen dann auch das Finale gegen die Telekom Baskets und feierten so ihren ersten Meistertitel. In diesem Jahr überraschten mit Chemnitz, Würzburg und Vechta bereits in der Hauptrunde drei Mannschaften, die sich alle auf direktem Wege für die Play-offs qualifizierten. Den Umweg über die neu eingeführten Play-Ins mussten Bonn und Ludwigsburg nehmen.


Bereits seit einigen Jahren wird die Endrunde im 2-2-1-Modus gespielt, heißt: Das Team mit Heimvorteil hat zuerst zwei Heimspiele, ehe es auswärts ran muss. Der „Klau“ eines Auswärtsspiels wird daher für die schlechter gerankte Mannschaft umso wichtiger, will sie nicht mit einem 0:2-Rückstand in ihr erstes Play-off-Spiel vor heimischer Kulisse gehen.

Bayern klarer Favorit im Viertelfinale


Hauptrundenmeister Bayern Basketball geht sicherlich als Favorit in die Play-offs. Der amtierende Pokalsieger feierte seinen letzten Meistertitel bereits im Jahr 2019 – und will nach dem Verpassen der Euroleague-Endrunde die Saison mit dem Double zu einem guten Ende führen. Nominell haben die Münchner den tiefsten Kader der Liga: Angeführt vom langjährigen Kapitän Vladimir Lucic und Aufbauspieler Sylvain Francisco spielen die Bayern zwar den langsamsten Basketball der Liga, aber auch den effizientesten: Auf 100 Angriffe gerechnet erzielen sie die mit Abstand meisten Zähler. Mit den Weltmeistern Andi Obst, Isaac Bonga und Niels Giffey ist das Team von Pablo Laso auch auf den deutschen Positionen bestens aufgestellt – unter dem Korb wartet mit Ex-NBA-Champion Serge Ibaka und Devin Booker das wohl beste Big-Men-Duo der Liga.



Die Riesen, die zwar zuletzt in den Play-Ins gegen Hamburg gewinnen konnten, kommen dennoch nicht in ihrer besten Form nach München. Vor dem Erfolg gegen die Towers gingen vier Spiele in Serie verloren. Defensiv sind die Ludwigsburger in dieser Saison zwar gewohnt stark und gehören zu den unangenehmsten Gegnern der Liga, offensiv ist das Spiel aber sehr von den beiden Guards Desure Buie und Jayvon Graves abhängig. Somit dürfte für das Team von Trainer Josh King bereits in der ersten Runde Schluss sein, ein Sieg wäre bereits eine Überraschung.

Alba Berlin


Wohin führt der Weg von Alba Berlin?
IMAGO/camera4+

Ärgert Bonn die Berliner im Klassiker?


Alba Berlin erlebte eine Saison des Umbruchs: In der Euroleague wurde die jungen Truppe Tabellenletzter. Auf BBL-Niveau fing sich die Mannschaft von Israel Gonzalez nach einer schwächeren Phase in der Mitte der Saison aber wieder und erreichte am Ende Platz zwei. Die ganze Spielzeit über war das Team um Kapitän Johannes Thiemann, der selbst lange ausfiel, von Verletzungssorgen geplagt. So konnte auf den großen Positionen zuletzt mit Tim Schneider ein Eigengewächs, das lange Jahre eher in der zweiten Reihe stand, Verantwortung übernehmen. Der Spielaufbau galt zu Saisonbeginn noch als Problemposition, dort hat sich Alba seit der Rückkehr von Martin Hermannsson im Winter stabilisiert. Die Flügelspieler Sterling Brown und Matt Thomas können zudem immer wieder Spiele entscheiden, generell ist der Kader für die BBL tief besetzt. Aber: Der spielerische Glanz der Meisterjahre ist verflogen, die Read-and-React-Offensive läuft nach dem Umbruch noch nicht wie gewollt.


Dennoch gehen die Berliner als Favorit in ihre Viertelfinalserie mit den offensivstarken Telekom Baskets: Alba gegen Bonn – ein echter Klassiker in der Bundesliga. Bei den Rheinländern verabschiedete sich nach der überragenden Vorsaison der gesamte Kader samt Trainerteam um Erfolgscoach Tuomas IIsalo. Der Ex-Göttinger Harald Frey zieht als Point Guard nun die Fäden, Unterstützung erhält er von den beiden Topscorern Brian Fobbs und Glynn Watson. Center Thomas Kennedy und die deutschen Power Forwards Chris Sengfelder und Till Pape sind die Leistungsträger auf den großen Positionen. Bonn spielt die zweitbeste Offensive der Liga, mehrere Spieler können immer wieder heißlaufen. Defensiv hat die Mannschaft aber Probleme, die sie gegen die Albatrosse in den Griff kriegen muss – wenn sie überraschend weiterkommen will.


Chemnitz will gegen Vechta zum ersten Mal ins Halbfinale


Eine Play-off-Serie zwischen dem Dritten Chemnitz und dem Sechsten Vechta dürften vor der Saison nur die wenigsten erwartet haben: Gegen Ende der Hauptrunde stotterte die Maschine der Niners, die den Großteil der Saison über von Sieg zu Sieg eilten, zwar etwas, dennoch dürften die Sachsen als frischgebackener Europe-Cup-Sieger mit Rückenwind in die Play-offs gehen. Dort strebt die Mannschaft vom Coach of the Year Rodrigo Pastore ihre erste Halbfinalteilnahme in der BBL an.


Rasta Vechta war bereits 2019 einmal im Halbfinale vertreten, stieg danach aber sogar wieder ab – und spielt erst seit dieser Saison wieder in der Beletage. Dem Team um Tommy Kuhse, der bei der Wahl zum MVP und zum besten Offensivspieler der Liga jeweils Zweiter wurde, und dem Nachwuchsspieler des Jahres Johann Grünloh, hätte vor der Saison niemand den Einzug in die Play-offs zugetraut. Einige Aufstiegshelden wie Joel Aminu und Ryan Schwieger haben sich aber auch in der BBL zu Leistungsträgern gemausert. Rasta dürfte dennoch Probleme bekommen, sollte die starke Niners-Defensive, in der fast alle Spieler switchen können, ihren Dreh-und Angelpunkt Kuhse in den Griff bekommen.

Rodrigo Pastore


Mit Chemnitz auf Erfolgskurs: Head Coach Rodrigo Pastore.
Anadolu via Getty Images


Chemnitz geht in jedem Fall als Favorit in das Viertelfinale: Topscorer der in der Spitze sehr ausgeglichenen Sachsen ist Center Kevin Yebo, der sich die Position mit Kapitän Jonas Richter teilt. Zudem kommen mit Jeff Garrett und Aher Uguak auf dem Flügel sowie den Guards DeAndre Lansdowne, Wes van Beck und Kaza Kajami-Keane fünf Spieler, die zweistellig scoren. Können die Niners offensiv wie defensiv an den Großteil ihrer starker Hauptrunde anknüpfen, ziehen sie ins Halbfinale ein.

Ausgeglichenes Duell? Meister Ulm trifft auf Würzburg


Mit der identischen Hauptrundenbilanz von 24 Siegen und 10 Niederlagen trifft Meister ratiopharm Ulm auf Überraschungsmannschaft Würzburg. Erst am letzten Spieltag tauschten beide Teams ihre Positionen in der Tabelle – sodass Ulm, das auch beide Partien in der Hauptrunde gewann, durch den Heimvorteil im Viertelfinale leicht favorisiert sein dürfte. Die Mannschaft des scheidenden Meistercoachs Anton Gavel legte, wie in der vergangenen Saison in den Play-offs, einen Schlussspurt hin und gewann neun der letzten zehn Spiele. Die individuell starken Big Men Trevion Williams und L.J. Figueroa erhalten besonders Unterstützung von Flügel Karim Jallow. Kapitän Tommy Klepeisz und die Nachverpflichtung Justinian Jessup können zudem immer ein paar Dreier einstreuen.


Offensiv gehören die Schwaben in jedem Fall zu den besten Teams der Liga, defensiv könnten sie gegen das ebenfalls starke Würzburger Angriffssystem mit vielen Isolationen aber Probleme bekommen. Der Ball geht in so gut wie jeder offensiven Sequenz der Baskets über MVP Otis Livingston, der auch zum besten Offensivspieler der Liga gewählt wurde. Mit Zac Seljaas und Isaiah Washington hat Trainer Sasa Filipovski weitere Firepower in der Offensive, der beste Verteidiger der Liga Javon Bess führt die starke Defense der Baskets an. Aber: Der Kader der Würzburger ist zwar in der Spitze stark, aber nur dünn besetzt. Bekommt ein Leistungsträger Foulprobleme oder verletzt sich, könnten die Mannschaft in Schwierigkeiten geraten – gerade aufgrund der engen Taktung einer Play-off-Serie.


Fazit: Der Meistertitel geht in dieser Saison nur über die Bayern. Eine Serie über fünf Spiele gegen die Münchner zu gewinnen, dürfte schwierig sein. Besonders die Paarung Ulm gegen Würzburg verspricht, zumindest auf dem Papier, Spannung. Im Halbfinale sollte für beide Mannschaften aber gegen die Bayern Schluss sein. Sollten die Favoriten Alba und Chemnitz ihre Viertelfinalserien für sich entscheiden, wartet ein interessantes Halbfinale: Zumindest wenn es es den Niners gelingt, in Berlin ein Spiel zu „klauen“. Das dürfte im aktuellen Modus besonders für die schlechter gerankten Mannschaften entscheidend werden. Dass ein Finaleinzug (oder sogar mehr) trotzdem möglich ist, haben die Ulmer in der vergangenen Spielzeit aber auch gezeigt.

© – by kicker.de

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